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Dialog Windenergie
12.03.2020 / Ingo Seeligmüller

Mit Dialog und Beteiligung Sprengkraft in positive Energie umwandeln

Dass die Windkraft auch eine enorme Sprengkraft entwickeln kann, zeigt der Erfolgsroman „Unterleuten“ von Juli Zeh, der aktuell in einer Verfilmung in der Mediathek des ZDF zu finden ist. Darin gerät das soziale Gefüge des fiktiven Dorfes Unterleuten in Brandenburg aus den Fugen, als eine Investorenfirma einen Windpark in der Gemeinde bauen will. Schnell wird klar, dass es vor allem die unterschiedlichen Interessen der Protagonisten und deren soziale Beziehungen sind, die dem Gemeinwohlinteresse im Wege stehen. Das Vorgehen des Planungsunternehmens wird als ungelenk und das ganze Planungsverfahren als von oben verordnet beschrieben. Und auch der Bürgermeister, Arne Seidel, zweifelt grundsätzlich an der Wirksamkeit der Bürgerbeteiligung. Seine Grundeinstellung wird von der Autorin wie folgt beschrieben:

„So sehr sich Arne wünschte, mehr Menschen für seine Arbeit und die Belange der Gemeinde begeistern zu können – insgeheim gestand er sich ein, dass es besser vorranginge, wenn die Leute wegblieben. Bürgerbeteiligung war ein Name für die Einmischung von Leuten, die keine Ahnung hatten, jede Menge Ärger verursachten und am Ende darüber meckerten, dass sich alles in die Länge zog.“

Das Drama nimmt seinen Lauf.

Doch dass es auch anders gehen kann, zeigte diese Woche die reale Gemeinde Tengen im Landkreis Konstanz. Mit einer Mehrheit von knapp zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen hatten sich die Bürgerinnen und Bürger am 8. März 2020 für den Bau eines Windparks in ihrer Gemeinde ausgesprochen. Die unterlegenen Kritiker befürchten zwar insbesondere den Verlust von Ackerflächen. Demgegenüber sehen aber die mehrheitlichen Befürworter in dem Projekt einen angemessenen und zumutbaren Beitrag zum Klimaschutz.

Dem Bürgerentscheid von Tengen, an dem rund die Hälfte der Wahlberechtigten teilnahmen, war eine umfangreiche Bürgerbeteiligung vorausgegangen. Bei zwei Dialogveranstaltungen in Tengen, Informationsveranstaltungen in Nachbarorten und Standortbegehungen konnten sich die Bürgerinnen und Bürger ein umfassendes Bild von dem geplanten Projekt machen und ihre Vorbehalte und Wünsche artikulieren.  

Ein Vergleich der beiden Beispiele ist natürlich kaum zu ziehen. Im Roman, der den Untertitel „Das zerrissene Dorf“ trägt, wurden die Bürgerinnen und Bürger nicht ernstgenommen und sind in viele Schicksale und der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit verstrickt. Der Bürgermeister resigniert, ist zynisch und weder an einem offenen Dialog interessiert, noch an einer echten Evaluation bestehender Ängste, Zweifel und Interessen. Der reale Fall der Gemeinde Tengen zeigt hingegen, dass viele Bürgerinnen und Bürger durchaus bereit sind, Opfer für das Gemeinwohl in Kauf zu nehmen, wenn man sie ernstnimmt, umfassend aufklärt und am Ende tatsächlich vor die Wahl stellt.